Ein Schwerpunkt meiner Expertise als Verhaltenstherapeutin in Linz und Umgebung liegt in der Behandlung von Zwangserkrankungen/OCD (Obsessive-Compulsive Disorder) bei Erwachsenen. Da es mir ein Anliegen ist darüber aufzuklären finden sie hier allgemeine Informationen über Zwangserkrankungen, von mir angewandte Methoden in der Verhaltenstherapie sowie ein paar Beispiele über mögliche unterschiedliche Formen von Zwängen, vielleicht erkennen sie sich wieder:
Zentrale Merkmale von Zwängen sind wiederkehrende, beunruhigende Befürchtungen (aufdringliche, unerwünschte Gedanken, Bilder, Impulse, Vorstellungen) und Zwangshandlungen (sich wiederholende Verhaltensweisen/Rituale oder mentale Handlungen), die als Reaktion darauf ausgeführt werden, um Angst/Anspannungen/Unbehagen/Ekel zu senken.
Zwangserkrankte verspüren einen starken inneren Drang, Dinge zu denken oder zu tun, die sie selbst für unsinnig oder übertrieben halten. Der Versuch, sich gegen diesen Drang zu wehren gelingt jedoch nicht nachhaltig. Der pathologische Zweifel der immer wieder Begründungen liefert warum es doch gut und wichtig ist zu Zweifeln ist zermürbend und mitunter sehr zeitintensiv. Dabei sind die Intensität und das Ausmaß der Gedanken und Handlungen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sie reichen von Formen, die den Alltag nur geringfügig beeinträchtigen, bis hin zu schweren Ausprägungen, bei denen Betroffene nicht mehr in der Lage sind, sich selbstständig zu versorgen. Hier kann auch ein stationärer Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik ein wichtiger Schritt sein.
Zwanghafte Persönlichkeitsstruktur
Diese ist zu unterscheiden vom oben beschriebenen Zwang. Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstruktur zeigen ein durchgängiges sehr starres Persönlichkeitsmuster, welches sie als ich-zugehörig erleben. Es geht dabei nicht Zwangsgedanken und- handlungen die sich unkontrolliert aufdrängen, es ist aber natürlich auch möglich dass beides gleichzeitig vorliegt.
Verlauf der Zwangserkrankung
Eine Zwangserkrankung gilt als gut behandelbar, aber oft chronisch verlaufend wenn diese unbehandelt bleibt. Durch die Zwangsgedanken – und Handlungen breitet sich der Zwang oft langsam aus und kann nach Monaten oder Jahren immer mehr Raum im eigenen Leben einnehmen oder kann auch akut durch ein emotional belastendes Ereignis ausgelöst werden. Ein zentraler Mechanismus ist die kurzfristige Reduktion der als extrem unangenehm erlebten Emotion oder Körperempfindung durch die Zwangshandlung. Diese Erleichterung hält aber nur kurz an und hält den Zwang langfristig aufrecht. Eine frühzeitige Therapie, konsequentes Üben und Expositionen, Verständnis über die eigenen Denk- und Verhaltensmuster und der Abbau von Vermeidungsverhalten beeinflusst den Verlauf positiv.
Häufigkeit der Zwangsstörung
Man geht davon aus, dass in etwa 2-4 % der gesamten Bevölkerung Im Laufe ihres Lebens eine Zwangserkrankung entwickeln wobei Frauen und Männer in etwa gleich oft betroffen sind.
Methoden
In der Therapie bei Zwangserkrankungen stellt die Exposition mit Reaktionsmanagement laut Leitlinie eine evidenzbasierte Methode und einen zentralen Wirkfaktor in der Behandlung dar. Hier sucht man gezielt eine emotionsauslösende Situation/Vorstellung/Befürchtung auf und soll bewusst keine neutralisierende/regulierende Zwangshandlung ausführen. Dies geschieht strukturiert, transparent, freiwillig zunächst zusammen mit mir und später in Expositionen und Verhaltensexperimenten alleine. Die Expositionen finden oft auch je nach Thema auch bei ihnen zu Hause statt. Das Miteinbeziehen der Angehörigen und diese über die Tricks des Zwanges zu informieren ist ebenfalls sinnvoll.
Zusätzlich arbeite ich unter anderem noch mit ergänzenden verhaltenstherapeutischen Ansätzen aus der Akzeptanz und Commitmenttherapie (ACT), Achtsamkeit oder I-KVT (Inferenzbasierten Ansatz) oder Schematherapie.
Das Ziel der Therapie ist nicht, Gedanken zu kontrollieren, sondern die Reaktion auf diese Gedanken zu verändern.
– Jonathan S. Abramowitz
Es gibt nicht die eine Form der Zwangserkrankung sondern unterschiedlichste Ausprägungen in Schwere und Erscheinungsform. Der Zwang kann sich mit einem „Thema“ melden oder auch mit mehreren gleichzeitig auftreten.
Bei Kontrollzwängen löst die Möglichkeit, dass man durch eine Unachtsamkeit etwas übersehen haben könnte den pathologischen Zweifel aus. Die Zwangsgedanken können sich z.B darauf beziehen, dass man Elektrogeräte nicht ausgesteckt hat, Wasserhähne nicht abgedreht wurden oder man den Herd nicht ausgeschalten, das Auto nicht zugesperrt hat. Die Befürchtung die eigene Wohnung könnte abbrennen, oder zb dabei Haustiere versterben lösen extreme Angst aus-die Konsequenzen der Unachtsamkeit sollen mit dem Kontrollverhalten verhindert werden. Diesen Gedanken folgt ein ausgeprägtes Gefühl von Unsicherheit oder Bedrohung welches durch Kontrollverhalten/Grübeln neutralisiert wird, jedoch die Anspannung nur kurzfristig abfällt.
Bei Kontaminationsängsten lösen z.B. harmlose Alltagssituationen Zwangsgedanken aus und es entsteht Angst und Ekel dass sie mit etwas Gefährlichem in Kontakt kommen könnten und so z.b Viren, Keime oder Körperlfüssigkeiten verbreiten könnten. Es entstehen Befürchtungen sie selbst oder andere könnten dadurch krank werden oder etwas Schlimmes könnte passieren. Der Möglichkeit und die daraus folgenden möglichen Konsequenzen andere zu kontaminieren oder selbst kontaminiert zu werden wird als übermäßig gefährlich eingeschätzt und es wird eine zu große Bedeutung zugeschrieben. Deshalb versuchen Betroffene mit dem Kontaminierten nicht in Kontakt zu kommen oder die durch den Kontakt ausgelösten Gefühle und Empfindungen durch Handlungen (zb Händewaschen) oder Gedanken zu neutralisieren. In manchen Fällen dienen Waschrituale auch dazu, vermeintliches Unglück oder drohende Schicksalsschläge abzuwenden. Die Rituale folgen meist einem bestimmten Ablauf. Wird dieser unterbrochen, muss häufig von vorne begonnen werden. Dies ist sehr zeitintensiv, einschränkend und anstrengend.
Für Zwangserkrankte besteht hier die Zwangshandlung darin, strenge Ordnungsvorstellungen (Ordnung, Symmetrie,..) auszuführen um damit ein Gefühl der Vollständigkeit zu erreichen oder zb. auch im Rahmen von Zwangsgedanken (magischen denken) damit beispielsweise Schlimmes in der Realität abzuwenden. Bsp: Nur wenn ein Flaschenverschluß in eine bestimmte Richtung ausgerichtet ist passiert nichts Schlimmes“ oder ein quälendes Unvollständigkeitsgefühl bei fehlender wahrgenommener Perfektion.
Die wahrgenommenen, sich aufdrängenden Reize aus dem eigenen Körper (Atmung, Ohrgeräusche, Schlucken, das Fühlen von Kleidung auf der Haut…) lösen eine extreme Anspannung, Unsicherheit oder Befürchtungen aus. Als Rückversicherungsverhalten beginnen Betroffene die Aufmerksamkeit exzessiv darauf zu richten. Durch diese Körperchecks drängen sich diese Gedanken und Empfindungen jedoch immer mehr auf und treten ins Bewusstsein. Oft wird beispielsweise ein Tinnitus auch zwanghaft verarbeitet.
Die Befürchtungen drängen sich auf, dass man jemanden unbemerkt angefahren oder überfahren haben könnte. Als Rückversicherung und Zwangshandlung hören/schauen Betroffene Nachrichten, fahren wiederholt die besagte Strecke ab und kontrollieren Ihr Auto nach Unfallzeichen oder rekonstruieren gedanklich den „Tathergang“ immer wieder.
Der pathologische Zweifel liefert hier immer wieder mögliche Begründungen warum man sich selbst verletzten oder suizidieren könnte- es besteht aber keine tatsächliche Absicht die Gedanken in die Tat umzusetzen.
Bei diesen Inhalten drehen sich die Zwangsgedanken darum, dass der pathologische Zweifel zum Beispiel die eigene sexuelle Orientierung in Frage stellt oder sich die Gedanken/ Vorstellungen aufdrängen mit dem Inhalt andere sexuell belästigen zu können. Auch als abstoßend erachtete sexuelle Fantasien können sich aufdrängen. Von Betroffenen werden diese Gedanken als belastend und quälend (nicht als lustvoll) empfunden und mit aller Kraft versucht wird diese Gedanken los zu werden.
Hierzu zählt auch der sich aufdrängende pathologische Zweifel, man könnte pädophil sein oder sich durch pädophile Handlungen strafbar machen. Dies widerspricht jedoch den tatsächlichen Wünschen und Werten des Betroffenen und werden als belastend und quälend empfunden. Wichtig!: Hinter diesen Zwangedanken verbergen sich keine verborgenen Wünsche oder eine tatsächliche Pädophilie.
Religiöse Inhalte dieser sich aufdrängenden wiederkehrenden Zwangsgedanken und des pathologischen Zweifelns führen oft zu Schuldgefühlen und Angst vor Strafe (z.B in die Hölle zu kommen, Strafe durch den Teufel etc.)
Falls sie den Begriff „Doubt-OCD“ schon einmal gehört haben, beschreibt dies einfach den pathologischen Zweifel der allen Zwängen zugrunde liegt und sich auf Themen des täglichen Lebens bezieht.
Durch das zwanghafte Nachgrübeln/ Nachkonstruieren (gedankliches Handlen), nacherzählen (beichten) über vergangene Ereignissen die wirklich passiert ( z.B etwas vermeintlich oder tatsächlich falsches gesagt/getan zu haben) soll Gewissheit über die daraus entstehenden Folgen erlangt werden oder um sich vom Gefühl der Schuld zu befreien.
Dieser Begriff beschreibt den Umstand, dass der zwanghafte Zweifel sich konsequenterweise auch auf den Zwang selbst beziehen kann. Zb. „Warum habe ich diese Gedanken immer wieder? “ „Vielleicht will ich den Gedanken insgeheim behalten?“, „Grübel oder denke ich richtig oder anders als andere?“. Als Zwangshandlung suchen Betroffene zb. Rückversicherung ob sie normal denken, Vermeiden Situationen in denen solche Gedanken auftreten könnten oder checken ob der Gedanke noch da ist.
Hier zeigen sich aufdringliche, beängstigende Gedanken und Befürchtungen, die sich auf die Schwangerschaft, die Geburt oder das Neugeborene beziehen. Der zwanghafte Zweifel stellt z.B. in Frage ob man sein Kind wirklich liebt, eine gute Mutter/guter Vater ist oder Befürchtungen es absichtlich zu verletzen.
Die sich aufdrängenden Gedanken und Befürchtungen Schizophren, „Verrückt zu werden“ oder den „verstand zu verlieren“ werden hier z.B. durch Grübeln oder Überprüfung der eigenen Wahrnehmung der Umwelt Gewissheit darüber zu erlangen das alles „normal“ wahrgenommen wird und in Ordnung ist. So soll vermeintliche Beruhigung erlangt werden.
Ich unterstütze sie gerne dabei die Tricks ihres Zwanges besser kennen zu lernen, ihr eigener Experte zu werden und sie im Umgang mit ihrem Zwang zu (be-)stärken
– Mag. Petra Hulka