Ein Schwerpunkt meiner Expertise als Verhaltenstherapeutin in Linz und Umgebung liegt in der Behandlung von Zwangserkrankungen/OCD bei Erwachsenen. Da es mir ein Anliegen ist darüber aufzuklären finden sie hier allgemeine Informationen, von mir angewandte Methoden in der Verhaltenstherapie sowie ein paar Beispiele über mögliche unterschiedliche Formen von Zwängen, vielleicht erkenne sie sich wieder:
Zentrale Merkmale von Zwängen oder verwandte Störungen sind wiederkehrende, beunruhigende Befürchtungen (aufdringliche, unerwünschte Gedanken, Bilder, Impulse, Vorstellungen) und Zwangshandlungen (sich wiederholende Verhaltensweisen/Rituale oder mentale Handlungen), die als Reaktion darauf ausgeführt werden, um Angst/Anspannungen/Unbehagen/Ekel zu senken.
Zwangserkrankte verspüren einen starken inneren Drang, Dinge zu denken oder zu tun, die sie selbst für unsinnig oder übertrieben halten. Der Versuch, sich gegen diesen Drang zu wehren gelingt jedoch nicht nachhaltig. Der pathologische Zweifel der immer wieder Begründungen liefert warum es doch gut und wichtig ist zu Zweifeln ist zermürbend und mitunter sehr zeitintensiv. Dabei sind die Intensität und das Ausmaß der Gedanken und Handlungen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sie reichen von Formen, die den Alltag nur geringfügig beeinträchtigen, bis hin zu schweren Ausprägungen, bei denen Betroffene nicht mehr in der Lage sind, sich selbstständig zu versorgen. Hier kann auch ein stationärer Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik ein wichtiger Schritt sein.
Zwanghafte Persönlichkeitsstruktur
Diese ist zu unterscheiden vom oben beschriebenen Zwang. Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstruktur zeigen ein durchgängiges sehr starres Persönlichkeitsmuster, welches sie als ich-zugehörig erleben. Es geht dabei nicht Zwangsgedanken und- handlungen die sich unkontrolliert aufdrängen, es ist aber natürlich auch möglich dass beides gleichzeitig vorliegt.
Verlauf der Zwangserkrankung
Der Beginn aller Zwangserkarnkungen des Erwachsenenalters liegt für ca. ein Fünftel bereits im Kindes- oder Jugendalter. Diese können akut durch ein emotional belastendes Ereignis ausgelöst werden oder sich auch langsam entwickeln. Es zeigt sich zeigt sich meistens ein überwiegend chronischer Verlauf. Episodisch auftretende Verläufe der spontanes Verschwinden der Symptome wird seltener beobachtet.
Häufigkeit der Zwangsstörung
Die Studienlage dazu variiert etwas- doch man geht davon aus, dass etwa 2-4% der gesamten Bevölkerung irgendwann im Leben unter Zwängen leiden wobei Frauen und Männer in etwa gleich oft betroffen sind.
Methoden
In der Therapie bei Zwangserkrankungen stellt die Exposition mit Reaktionsmanagement laut Leitlinie eine evidenzbasierte Methode und einen zentralen Wirkfaktor in der Behandlung dar. Hier sucht man gezielt eine emotionsauslösende Situation/Vorstellung/Befürchtung auf und soll bewusst keine neutralisierende/regulierende Zwangshandlung ausführen. Dies geschieht strukturiert, transparent, freiwillig zunächst zusammen mit mir und später in Expositionen und Verhaltensexperimenten alleine. Die Expositionen finden oft auch je nach Thema auch bei ihnen zu Hause statt.
Zusätzlich arbeite ich unter anderem noch mit ergänzenden verhaltenstherapeutischen Ansätzen aus der Akzeptanz und Commitmenttherapie (ACT), Achtsamkeit oder I-KVT (Inferenzbasierten Ansatz) oder Schematherapie.
Das Ziel der Therapie ist nicht, Gedanken zu kontrollieren, sondern die Reaktion auf diese Gedanken zu verändern.
– Jonathan S. Abramowitz
Es gibt nicht die eine Form der Zwangserkrankung sondern unterschiedlichste Ausprägungen in Schwere und Erscheinungsform. Der Zwang kann sich mit einem „Thema“ melden oder auch mit mehreren gleichzeitig auftreten.
Für Zwangserkrankte besteht hier die Zwangshandlung darin, strenge Ordnungsvorstellungen (Ordnung, Symmetrie,..) auszuführen um damit ein Gefühl der Vollständigkeit zu erreichen oder zb. auch im Rahmen von Zwangsgedanken (magischen denken) damit beispielsweise Schlimmes in der Realität abzuwenden. Bsp: Nur wenn ein Flaschenverschluß in eine bestimmte Richtung ausgerichtet ist passiert nichts Schlimmes“ oder ein quälendes Unvollständigkeitsgefühl bei fehlender wahrgenommener Perfektion.
Die wahrgenommenen, sich aufdrängenden Reize aus dem eigenen Körper (Atmung, Ohrgeräusche, Schlucken, das Fühlen von Kleidung auf der Haut…) lösen eine extreme Anspannung, Unsicherheit oder Befürchtungen aus. Als Rückversicherungsverhalten beginnen Betroffene die Aufmerksamkeit exzessiv darauf zu richten. Durch diese Körperchecks drängen sich diese Gedanken und Empfindungen jedoch immer mehr auf und treten ins Bewusstsein. Oft wird beispielsweise ein Tinnitus auch zwanghaft verarbeitet.
Die Befürchtungen drängen sich auf, dass man jemanden unbemerkt angefahren oder überfahren haben könnte. Als Rückversicherung und Zwangshandlung hören/schauen Betroffene Nachrichten, fahren wiederholt die besagte Strecke ab und kontrollieren Ihr Auto nach Unfallzeichen oder rekonstruieren gedanklich den „Tathergang“ immer wieder.
Der pathologische Zweifel liefert hier immer wieder mögliche Begründungen warum man sich selbst verletzten oder suizidieren könnte- es besteht aber keine tatsächliche Absicht die Gedanken in die Tat umzusetzen.
Bei diesen Inhalten drehen sich die Zwangsgedanken darum, dass der pathologische Zweifel zum Beispiel die eigene sexuelle Orientierung in Frage stellt oder sich die Gedanken/ Vorstellungen aufdrängen mit dem Inhalt andere sexuell belästigen zu können. Auch als abstoßend erachtete sexuelle Fantasien können sich aufdrängen. Von Betroffenen werden diese Gedanken als belastend und quälend (nicht als lustvoll) empfunden und mit aller Kraft versucht wird diese Gedanken los zu werden.
Hierzu zählt auch der sich aufdrängende pathologische Zweifel, man könnte pädophil sein oder sich durch pädophile Handlungen strafbar machen. Dies widerspricht jedoch den tatsächlichen Wünschen und Werten des Betroffenen und werden als belastend und quälend empfunden. Wichtig!: Hinter diesen Zwangedanken verbergen sich keine verborgenen Wünsche oder eine tatsächliche Pädophilie.
Religiöse Inhalte dieser sich aufdrängenden wiederkehrenden Zwangsgedanken und des pathologischen Zweifelns führen oft zu Schuldgefühlen und Angst vor Strafe (z.B in die Hölle zu kommen, Strafe durch den Teufel etc.)
Falls sie den Begriff „Doubt-OCD“ schon einmal gehört haben, beschreibt dies einfach den pathologischen Zweifel der allen Zwängen zugrunde liegt und sich auf Themen des täglichen Lebens bezieht.
Durch das zwanghafte Nachgrübeln/ Nachkonstruieren (gedankliches Handlen), nacherzählen (beichten) über vergangene Ereignissen die wirklich passiert ( z.B etwas vermeintlich oder tatsächlich falsches gesagt/getan zu haben) soll Gewissheit über die daraus entstehenden Folgen erlangt werden oder um sich vom Gefühl der Schuld zu befreien.
Dieser Begriff beschreibt den Umstand, dass der zwanghafte Zweifel sich konsequenterweise auch auf den Zwang selbst beziehen kann. Zb. „Sind meine Gedanken wirklich meine?“ Oder „Habe ich überhaupt eine Zwangsstörung“.
Hier zeigen sich aufdringliche, beängstigende Gedanken und Befürchtungen, die sich auf die Schwangerschaft, die Geburt oder das Neugeborene beziehen. Der zwanghafte Zweifel stellt z.B. in Frage ob man sein Kind wirklich liebt, eine gute Mutter/guter Vater ist oder Befürchtungen es absichtlich zu verletzen.
Die sich aufdrängenden Gedanken und Befürchtungen Schizophren, „Verrückt zu werden“ oder den „verstand zu verlieren“ werden hier z.B. durch Grübeln oder Überprüfung der eigenen Wahrnehmung der Umwelt Gewissheit darüber zu erlangen das alles „normal“ wahrgenommen wird und in Ordnung ist. So soll vermeintliche Beruhigung erlangt werden.
Ich unterstütze sie gerne dabei die Tricks ihres Zwanges besser kennen zu lernen, ihr eigener Experte zu werden und sie im Umgang mit ihrem Zwang zu (be-)stärken
– Mag. Petra Hulka